Parasiten machen keinen Herbsturlaub: Zecken, Flöhe und Herbstgrasmilben
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen angenehmer – und viele Tierhalterinnen und Tierhalter glauben, dass damit auch die Parasitenzeit vorbei ist. Leider halten sich Zecken und Flöhe nicht an den Kalender. Spätsommer und Herbst sind außerdem die typische Zeit der Herbstgrasmilben.
Die gute Nachricht: Wer die häufigsten Anzeichen kennt, kann früh reagieren.
Zecken sind auch im Herbst aktiv
Zecken benötigen kein hochsommerliches Wetter. Solange die Bedingungen mild genug sind, können Hunde und Freigängerkatzen ihnen weiterhin in Gärten, Parks, Wiesen und an Waldrändern begegnen. Deshalb lohnt sich die Fellkontrolle auch nach herbstlichen Spaziergängen.
Besonders genau sollten Sie Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Leisten und die Bereiche zwischen den Zehen ansehen. Festsitzende Zecken werden möglichst hautnah mit einer geeigneten Zeckenzange oder -pinzette gefasst und ruhig entfernt. Öl, Klebstoff oder andere Hausmittel gehören nicht auf die Zecke.
Eine kleine lokale Rötung kann nach dem Entfernen vorkommen. Wird die Stelle deutlich größer, schmerzhaft oder entzündet, sollte sie untersucht werden. Auch Mattigkeit, Fieber, ungewöhnlich blasse Schleimhäute, dunkler Harn oder andere deutliche Veränderungen nach einem Zeckenfund gehören tierärztlich abgeklärt.
Flöhe fühlen sich auch in der Wohnung wohl
Beim Flohproblem sitzt nur ein Teil der Population auf dem Tier. Eier und Entwicklungsstadien können sich in Teppichen, Polstern, Decken und Ritzen befinden. Beheizte Innenräume bieten ihnen auch dann gute Bedingungen, wenn es draußen bereits kühl ist.
Typische Hinweise sind:
- plötzliches Kratzen oder Knabbern am Fell
- kleine Krusten, besonders im Bereich von Rücken und Schwanzansatz
- Unruhe oder vermehrtes Putzen
- dunkle Krümel im Fell, die Flohkot sein können
Manche Tiere reagieren auf Flohspeichel sehr empfindlich. Dann kann bereits eine geringe Zahl von Flöhen starken Juckreiz auslösen. Bei einem bestätigten Befall müssen häufig nicht nur das betroffene Tier, sondern auch Kontakttiere und die Umgebung in einen sinnvollen Behandlungsplan einbezogen werden.
Herbstgrasmilben: winzig, orange und oft sehr lästig
Bei Herbstgrasmilben sind es die Larven, die Tiere vorübergehend befallen. Sie erscheinen häufig als winzige orangefarbene Punkte. Besonders betroffen sind Körperstellen mit dünner Haut oder Bodenkontakt, etwa Pfoten und Zehenzwischenräume, Bauch, Achseln, Ohrränder oder der Bereich rund um die Augen.
Der Juckreiz kann erheblich sein und auch noch anhalten, wenn die Larven nicht mehr zu sehen sind. Durch Lecken und Kratzen können zusätzliche Hautentzündungen entstehen. Nicht jeder orange Punkt und nicht jeder herbstliche Juckreiz ist allerdings eine Grasmilbe – eine genaue Untersuchung verhindert unnötige oder unpassende Behandlungen.
Bitte keine Parasitenmittel auf Verdacht tauschen
Welches Präparat passt, hängt unter anderem von Tierart, Alter, Gewicht, Gesundheitszustand, Lebensweise und individuellem Risiko ab. Ein Mittel für Hunde darf niemals automatisch bei Katzen verwendet werden: Bestimmte für Hunde geeignete Wirkstoffe können für Katzen hochgiftig sein.
Auch naturheilkundliche oder als „sanft“ beworbene Produkte sind nicht automatisch wirksam oder ungefährlich. Lassen Sie sich beraten, bevor Sie Mittel kombinieren, häufiger anwenden oder zwischen Tierarten übertragen.
Wann sollte Ihr Tier untersucht werden?
Bitte melden Sie sich, wenn Ihr Tier starken oder anhaltenden Juckreiz zeigt, sich wund kratzt, kahle Stellen entwickelt oder die Haut nässt beziehungsweise unangenehm riecht. Ebenso sollte wiederkehrender Juckreiz nicht über Monate nur symptomatisch behandelt werden: Parasiten, Infektionen und allergische Erkrankungen können ähnlich aussehen oder gleichzeitig auftreten.
Auf unserer Seite Dermatologie für Hunde und Katzen erklären wir, wie wir Haut- und Ohrenprobleme Schritt für Schritt abklären. Welche Parasitenvorsorge zu Ihrem Tier und seinem Alltag passt, können wir auch im Rahmen eines Termins für Vorsorge & Impfungen besprechen.
Kontaktieren Sie uns oder nutzen Sie unsere Terminbuchung. Bei akuten Beschwerden melden Sie sich bitte telefonisch.
Die kurze Herbst-Checkliste
- Fell und Haut nach Ausflügen kontrollieren
- Zecken mit einem geeigneten Werkzeug zeitnah entfernen
- bei Juckreiz auch Pfoten, Bauch und Ohrränder ansehen
- Schlafplätze und Textilien bei Flohverdacht mitbedenken
- Parasitenmittel nur passend zu Tierart und Gewicht anwenden
- anhaltende Beschwerden frühzeitig untersuchen lassen
So wird aus Parasitenvorsorge keine Frage der Jahreszeit, sondern ein Schutz, der tatsächlich zum Leben Ihres Tieres passt.